Nahrungsmittel

 Startseite | Inhalt | Suchen | Praxis | Akuelles

 
Nach oben

Erste in Deutschland  zugelassene orthopädische Praxis nach
DIN EN ISO 9001:2000



Privatpraxis für
Orthopädie und Sportmedizin
Dr. Uwe Wegner

Telefon
+49 (511) 84 20 42 1
Fax
+49 (511) 84 20 41 0

Adresse

Peiner Str. 4
30519 Hannover

©
Copyright 2000

praxis@adowe.de

Website/Design Realisation
Herrmann Management Consult

optimiert für IE5.5 1024x768

letzte Aktualisierung:

21. November 2005





 

 

Aktuelle Informationen

 


Nahrungsmittelergänzung im Sport – Notwendigkeit oder Marketingstrategie?

Unter Nahrungsergänzungsmitteln versteht man im wesentlichen Energie-, Kohlenhydrat- und Eiweißkonzentrate, Sportler-Getränke, Mikronährstoff-Präparate sowie ernährungsbezogene Leistungsförderer.
Die Verwendung von Nahrungsergänzungsmitteln ist nur sinnvoll, wenn Sportler an ihre Leistungsgrenzen stoßen. Und selbst dann hält nicht jedes Mittel, was es verspricht.
Während die Werbung und deren sog. Wissenschaftliche Studien die Nahrungsergänzung fast wichtiger als das Training erscheinen lässt, produziert man häufig nur sehr teuren Urin.

1. Es existiert kein Nährstoff, dessen Bedarf sportbedingt überproportional zum Energiebedarf ansteigt. In der Regel ist das Nährstoffdefizit nicht auf den Sport, sondern auf die Ernährungsweise, die nicht den Bedürfnissen angepasst ist, zurückzuführen. Erst wenn der Energieeinsatz während der sportlichen Belastung 4000 Kcal pro Tag überschreitet (z. B. Tour de France), reicht das Fassungsvermögen des Magen-Darm-Traktes nicht aus, so dass Nahrungsergänzungsmittel unverzichtbar sind.

2. Eine den Bedarf an Nährstoffen überschreitende Zufuhr steigert die sportliche Leistung nicht. Der Ausgleich eines Nährstoffmangels steigert dagegen natürlich die Leistungsfähigkeit. Nahrungsergänzungsmittel sind hierfür zwar nicht erforderlich, können die Auffüllung aber beschleunigen.
Ein Beispiel anhand von Vitamin C:
Bei einem 12km-Lauf verbraucht eine ca. 70 kg schwere Person ca. 800kcal und verliert 1-1,5 l Schweiß. Darin sind nicht mehr als 2,5 mg Vitamin C enthalten. Um diesen Zusatzbedarf zu decken, müssen höchstens 5 mg Vitamin C verzehrt werden. Ein kleiner Apfel liefert bereits 20 mg, aber nur 100 kcal. Bei vollwertiger Ernährung nach den Regeln der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (s. Tabelle) werden 50 mg Vitamin C/1000kcal aufgenommen, also erheblich mehr, als benötigt wird. Bei ausgewogener Ernährung ist es also nahezu unmöglich, nicht gleichzeitig genug Vitamin C aufzunehmen. Dieselbe Berechnungsweise lässt sich auf andere Vitamine, Mineralstoffe wie Magnesium und Calcium sowie Eisen anwenden.
Grundsätzlich ist hier noch zwischen Nahrungsmittel und Lebensmitteln zu unterscheiden – also zwischen Dosengerichten und frischem Obst, Gemüse und Fleisch. Nur durch Lebensmittel lassen sich Mangelerscheinungen vermeiden. Häufig werden durch teure Vitamine und Mineralprodukte nur grundsätzliche Fehler in der Ernährung kompensiert.

Energiekonzentrate:

Erst wenn täglich mehr als 2000 kcal beim Sport verbraucht werden oder mehrfach am Tag trainiert wird, ist es sinnvoll, Energiekonzentrate als Riegel oder in Pulverform einzusetzen.

Kohlenhydratkonzentrate:

Benötigt der Körper schnell verfügbare Kohlenhydrate, ist die Nahrungsergänzung (z. B. Maltodextrin) angezeigt. Regelmäßig zugeführte Kohlenhydrate erhöhen die Dauerleistung erst über 90 min um 15%. Besteht nach großen Anstrengungen kein Hungergefühl, sind diese Konzentrate zur schnelleren Regeneration ebenfalls angezeigt.
Kurz vor dem Sport ist ein Energie- dem Kohlenhydratkonzentrat vorzuziehen.
Prinzipiell erfüllen aber ausgewählte Kohlenhydratreiche Lebensmittel denselben Zweck wie Konzentrate.

Die 10 Regel der DGE

1. Vielseitig Essen
2. Getreideprodukte mehrmals am Tag und reichlich Kartoffeln
3. Gemüse und Obst – 5 Portionen am Tag
4. Täglich Milch und Milchprodukte, mehrfach in der Woche Fleisch und Eier, einmal Fisch
5. Wenig Fett und fettreiche Lebensmittel
6. Zucker und Salz mit Augenmaß
7. reichlich Flüssigkeit
8. Schmackhaft und schonend zubereiten
9. Zeit nehme, das Essen zu genießen
10. Auf das Gewicht achten - in Bewegung bleiben
 

Nahrungsergänzung

Eiweiß-Konzentrate

Diese Produkte werden üblicherweise in Pulverform oder als Riegel angeboten. Aus dem speziell aufbereiteten Eiweiß werden die Aminosäuren zwar schneller, aber nicht in größerem Umfang resorbiert.

Eiweiß-Konzentrate werden hauptsächlich von Kraftsportlern verwendet. Im Gegensatz zu Ausdauersportlern benötigen sie erstaunlicherweise jedoch kaum mehr Eiweiß als Nicht-Sportler. Beim Kraftsport werden die auch durch intensives Training aus der Muskulatur freigesetzten Aminosäuren wieder vom Körper aufgenommen. Demgegenüber werden beim Ausdauersport bestimmte Aminosäuren energieliefernd verbraucht. Aber selbst der Verbrauch bei intensivem Ausdauertraining und Wettkampf ist nie so hoch, dass er einer speziellen Nahrungsergänzung bedarf.

Intensiv trainierte Ausdauersportler benötigen eine tägliche Eiweißzufuhr von 1,4 g/kg Körpergewicht, damit kein Körpereiweiß abgebaut wird. Diese Mengen können problemlos ohne Eiweiß-Konzentrate zugeführt werden. Auch Vegetarier benötigen keine Eiweißkonzentrate. Lediglich Sportler, die auf sämtliche tierische Eiweißquellen verzichten (Veganer), benötigen die Zufuhr von Eiweiß-Konzentraten.

Leistungsmäßig Kraftsporttreibende benötigen zur Muskelerhaltung täglich nur 0,8g/kg Körpergewicht. Bei einer Steigerung der Muskelmasse um 5 kg in einem Jahr beträgt die Zunahme des Körpereiweiß maximal 1 kg, da der Muskel nur zu 20% aus Eiweiß besteht. Errechnet man daraus den täglichen Mehrbedarf an Eiweiß für den Muskelaufbau, so liegt er nur bei 0,04 g/kg Körpergewicht. Tatsächlich verzehren Bodybilder über 2,8g/kg Körpergewicht. Das zuviel zugeführte Eiweiß kann nicht zur Bildung von Muskelmasse verwandt werden. Es wird ausgeschieden und belastet erheblich die Nieren, so dass zumindest die tägliche Trinkmenge verdoppelt werden muss.

Sportgetränk

Ein Schweißverlust von 1 – 1,5 l wirkt sich bereits leistungsmindernd aus. Je höher die Schweißverluste werden, desto schneller muss Flüssigkeit zugeführt werden. Optimal sind industrielle isotonische Getränke oder Fruchtsaftschorlen mit z.B. 50% Apfelsaft und 50% natriumreichen Mineralwasser. Hypotone Getränke (süßer Tee, Boullion, Tomatensaft, alkoholfreies Bier) werden geringfügig langsamer aufgenommen.

Ungeeignet für die schnelle Auffüllung des Wasserverlustes sind hypertone Getränke wie Limonaden, Fruchtsäfte, Cola und Energiedrinks. Sie entziehen dem Körper erst noch mehr Wasser, bevor in tieferen Darmabschnitten Wasser und Nährstoffe wieder aufgenommen werden.

Vitamine – Mineralstoffe – Spurenelemente

Diese werden in nahezu unüberschaubarer Zahl in jeder möglichen Kombination als Pulver, Tablette, Dragees etc. angeboten. Die empfohlene Dosierung wird häufig um das 10fache überschritten. Grundsätzlich gilt auch hier, dass der Bedarf an Vitaminen und Mineralstoffen nicht überproportional zum Energiebedarf ansteigt. Der Körper passt die Zusammensetzung des Schweißes dem Bedarf an. Der „Sportlerschweiß“ enthält weniger Mineralstoffe, Spurenelemente und Vitamine. Grundsätzlich kann man sagen, dass in dem Fall, wenn ein Sportler über eine Verbesserung seiner Leistungsfähigkeit berichtet, vorher eine Mangelsituation vorlag. Nun gibt es genügend Situationen im Leben eines Leistungssportlers, in denen er neben Training, Beruf, Studium aus zeitlichen/finanziellen Problemen nicht noch ständig auf einem Markt frische Top-Produkte einkaufen und zubereiten kann/will. In diesem Fall sind dann für den Sportler die antioxidativen Vitamine (A, C, E), Magnesium, Calcium, Eisen und Zink wichtig. Unter körperlicher Ausdauerbelastung entstehen Abbauprodukte, die die Körperzellen schädigen (Oxidativer Stress, freie Radikale). Die o.g. Vitamine schützen die Zellen, indem sie diese Produkte unschädliche machen.

Ein Magnesiummangel kann hervorgerufen werden, wenn nicht genügend kohlenhydratreiche pflanzliche Lebensmittel verzehrt werden (z.B. bei einer eiweißreichen Diät).
Ein Kalziumdefizit tritt durch langfristig negative Energiebilanz (Gewichtmachen) und durch mangelnde Versorgung mit Milchprodukten auf.

Von einem Eisenmangel sind vor allem Ausdauersportler betroffen, vor allem dann, wenn sie sich vegetarisch ernähren. Die Resorption an dem speziellen blutbildenden Eisen ist bei Vegetariern um den Faktor 3 geringer.

Bei Unterversorgung von Zink durch Stress, körperliche Belastung tritt erhöhte Infektanfälligkeit und verzögerte Wundheilung und Appetitlosigkeit auf.

Kreatin

Kreatin kann bei wiederholter Kurzzeitbelastung hoher Intensität die Ermüdung hinauszögern, wodurch sich das Trainingspensum erhöhen lässt. Hierdurch erfährt man eine schnellere Zunahme der Muskelmasse sowie der Maximalkraft. Diese Wirkung tritt allerdings nur bei jedem 2. Anwender auf. Nachteilig ist die Wassereinlagerung, die zu einer Zunahme des Körpergewichtes führt. Die Athleten berichten über vermehrte Muskelkräfte und Zunahme der Muskelverletzungen.

Koffein

Kaffee zögert die muskuläre Ermüdung hinaus, erhöht die Aufmerksamkeit und Reaktionsfähigkeit.

Pro Tasse Kaffee sind 60-120 mg Coffein enthalten. 600 mg Coffein reichen aus, um den Dopingschwellenwert zu erreichen (im Urin 12 mg/l).

L-Carnitin

Von diesem „Wunderstoff“ sollten Ausdauersportler wie auch Übergewichtige als „Fatburner“ profitieren, Es existiert nicht eine seriöse Untersuchung, die auch nur irgendeinen Effekt belegt. Bezeichnenderweise hat sich jetzt auch die Werbestrategie der Firmen völlig verändert. Das L-Carnitin soll jetzt nicht mehr in den Fettstoffwechsel eingreifen und die Ausdauerleistungsfähigkeit verbessern, sondern dazu beitragen, das Verletzungen schneller ausheilen. - Auch ein großer Markt.

Verzweigtkettige Aminosäuren

Die verschiedenen Wirkungen wie Hinauszögern der zentralen Ermüdung, „antikataboler Effekt“, d.h. Verhinderung des Proteinabbaus, Reduzierung von Muskelschäden durch intensives Krafttraining, Beschleunigung der Energiebereitstellung durch kohlenhydratreiche Getränke, sind entweder nie tatsächlich nachweisbar gewesen, oder die Argumentation stützt sich z. B. auf Studien an Ratten.


Vorkommen der aufgeführten Stoffe in „natürlichen“ Lebensmitteln:

Komplexe Kohlenhydrate: Obst, Gemüse, Getreideerzeugnisse, Hülsenfrüchte

Vitamin A, C, E: Gelbrotes u. grünes Gemüse, Obst, Beeren, Pfirsiche, Aprikosen

Magnesium: Tomaten; Spargel, Weißkohl, Grünkohl, grüne Bohnen, Salat, Beeren, Buttermilch, Weizenvollkornbrot

Calcium: Milchprodukte, Salat, Grünkohl, Weißkohl, Sauerkraut, grüne Bohnen

Eisen: Fleisch, Geflügel, Fisch (Heilbutt, Hering), Beeren, Spargel, Grünkohl, Rettich, Tomate, Sauerkraut, Blumenkohl

Zink: Käse, Getreideerzeugnisse, Fleisch, Geflügel, Eier, Fisch (Aal, Hecht, Lachs), Mais, Meerrettich, Rosenkohl

Wie man aus dieser Zusammenstellung sieht, benötigen Freizeitsportler Nahrungsergänzungsprodukte nicht und Leistungssportler nur in Ausnahmefällen.
Nur wenn vorher eine Mangelsituation vorhanden ist, sind derartige Produkte sinnvoll. Aber zu einem entsprechenden Training gehört eben auch ein Ernährungsplan. Natürlich stand schon in der Bibel: „Alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt.“ (Markus 9, Vers 24). Ist es aber nicht besser, an sich selbst bzw. das absolvierte Training als Grundlage des Erfolges zu glauben, als an die Wirkung irgendeiner Tablette. Was ich in jedem Fall erzeuge, ist Abhängigkeit.

Info für den Beitrag aus: Nahrungsergänzungsmittel im Leistungssport: Notwendigkeit oder Marketingstrategie; Alexandra Schek, Leistungssport, Sep. 2001, S. 10-16

nach oben