Fuss

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letzte Aktualisierung:

21. November 2005





 

 

Aktuelle Informationen

 


Der Fuß hatte bei unseren Vorfahren eine gleichberechtigte Stellung mit den Händen. Er war als Greiforgan der Hand gleichgestellt. 

Bedingt durch die Aufrichtung und die Entwicklung des aufrechten Ganges verlor er seine ursprüngliche Bedeutung, während die Hand, die Finger und vor allem der Daumen eine Weiterentwicklung hin zur differenzierten Einsatzmöglichkeit erfuhr.

Wozu sind Füße eigentlich da? "Zum Stehen und Gehen" werden die meisten antworten. Aber ist das alles? Der Fuß ist sehr weit weg vom übrigen Körpergeschehen. Meist tritt er in Erscheinung, wenn er nach längeren Spaziergängen schmerzt oder weil er häufig nicht besonders gut riecht, zumindest für eine typisch mitteleuropäische Nase. Kurzum, es gibt eigentlich nicht viele Gründe, sich mit dem Fuß zu beschäftigen - zumindest so lange er funktioniert.

Als Sportler und hier insbesondere als Leichtathlet tritt jedoch häufig der Fuß unerwartet in den Mittelpunkt, - weil er plötzlich weh tut. Es gibt dort sog. Ermüdungsbrüche, Achillessehnenschmerzen und manche Dinge mehr, die einen Athleten erheblich den Spaß am Sport verderben können.

Aber der Fuß kann nicht nur schmerzen. Über ihn können sogar heilende Wirkungen auf alle Organe des Körpers erzielt werden. Die Fußreflexzonentherapie geht davon aus, dass der gesamte Mensch mit all seinen Organen, Muskeln und Knochen auf dem Fuß abgebildet ist. Sowohl zur Diagnostik von Störungen als auch deren Therapie werden diese Reflexzonen benutzt. Nimmt man den Fuß in die Hand und tastet vorsichtig die Zehen, die Fußsohle, eben alle Bereiche, durch, so wird auch ein "Fußgesunder" feststellen, dass es dort Bereiche gibt, die empfindlicher auf Druck reagieren und dabei z.B. auch härter sind. Er ist also viel empfindlicher als die meisten glauben. Es lohnt sich, sich mit ihm zu beschäftigen.

Der Fuß besteht aus 28 Knochen und sehr vielen Sehnen und Bändern. Die kräftigste Sehne ist die Achillessehne. Sie ist auch die kräftigste Sehne des Körpers. Bei der normalen Abrollbewegung setzt die Ferse als Erste auf dem Boden auf und zwar hinten-außen. Daher ist es auch normal, dass die Hacken der Schuhe an dieser Stelle am meisten ablaufen. Im weiteren Verlauf rollt der Fuß zunächst über den Außenrand ab, wobei sich die Bewegung zum Innenrand, dem Längsgewölbe verlagert. Dieses wird hierbei nach unten gedrückt, also abgeflacht und der Fuß knickt etwas nach innen ein. Diese so genannte Pronationsbewegung ist normal und wird durch Bänder und Muskeln kontrolliert.

Die Kraft läuft von der Ferse und dem oberen Sprunggelenk über das Kahnbein und die Würfelbeine zum Mittelfuß. Der Abstoß erfolgt im wesentlichen über die Großzehe. Beim Aufsetzen und während der Abrollbewegung sollte die Fußspitze leicht (15°) nach außen zeigen, da nur so die muskuläre Kontrolle des Abrollvorganges und auch die Gelenkbelastung optimal sind.

Insbesondere durch die Schuhmode bedingt ist ein normales Abrollen häufig nicht möglich, was eine Fehlbelastung des Fußes und aller nachgeordneten Gelenke (Knie, Hüfte, Wirbelsäule) zur Folge hat. Knickt der Fuß zu stark nach innen ein (=Überpronation), so werden die Muskeln auf der Unterschenkelinnenseite überbeansprucht. Es kommt zu den sog. Knochenhautreizungen. Gleichzeitig dreht sich der Unterschenkel mit Knie und Hüfte zu stark nach innen. Dies kann zu Ermüdungsbrüchen an Schien- und Wadenbein, Reizungen der Kniescheibensehnen (=Patellaspitzensyndrom) und Problemen im Iliosakralgelenk (ISG) führen. Abhilfe schaffen hier ein Kräftigungsprogramm für Fuß- und Unterschenkelmuskulatur sowie spezielle Einlagen, insbesondere für Sportschuhe.

Durch Veränderungen der Fußstatik, z.B. durch den Senkfuß oder auch die Abflachung des Fußgewölbes im Mittelfuß im Sinne eines Spreizfußes, geht die Dämpfungseigenschaft des Fußes deutlich zurück. Das heißt, dass auch hier wieder die anderen Gelenke auf Dauer einer Mehrbelastung ausgesetzt werden.

Auch wenn heutzutage häufig die Diagnose "Spreizfuß" gebraucht wird, liegt hier jedoch häufig eine Abrollstörung und kein echter Spreizfuß vor. Das Problem ist dabei, dass der 2. und 3. Mittelfußknochen am längsten sind. Findet die Abrollbewegung nicht korrekt über die Großzehe statt, haben sie den letzten Kontakt bei der Abstoßbewegung und werden dadurch überbelastet. Diese Fehlbelastung kann zu dauerhaften Schmerzen unter dem Vorfuß, aber auch zu einem Ermüdungsbruch des 2. oder 3. Mittelfußknochens führen. Hier kommen die meisten Ermüdungsbrüche vor. Man nennt sie auch "Marschfraktur", weil diese Art von Ermüdungsbruch erstmals bei Soldaten beschrieben worden ist. Die erste Beschreibung von Ermüdungsbrüchen überhaupt fand im übrigen bei Rennhunden am Oberschenkelknochen statt. Man sieht auch hier, dass die wiederholte Über- oder Fehlbelastung dem Sportler die wesentlichen Probleme bereitet, egal ob Mensch oder Tier.

Ein weiteres Beispiel aus der Praxis:

Beim einfachen Dauerlauf muss das 3-fache des Körpergewichtes beim Aufsetzen des Fußes abgefedert werden. Bei einem 10 km-Lauf eines 80 kg schweren Läufers ist dies in ca. 40 min eine Belastung von über 500 Tonnen pro Fuß.

Einen Hinweis auf eine Fehlbelastung des Fußes gibt die Verteilung der Hornhaut. Im Fall der Marschfraktur ist z.B. sie unter dem Köpfchen des 2. u. 3. Mittelfußknochens verdickt. Hier ist normalerweise keine Hornhaut vorhanden. Die Behandlung besteht wieder in Kräftigung u. Einlagenversorgung. Zur Aufrichtung des Quergewölbes, der so genannten retrocapitalen Abstützung, dient die Erhöhung vorne an einer Einlage, die Pelotte. Ein großer Fehler wäre z.B. eine Weichbettung in Schuhen für den Vorfußbereich. Das ist zwar am Anfang sehr angenehm, im weiteren Verlauf drückt sich das Quergewölbe aber immer weiter durch. Aus diesem Grund sind z.B. die so genannten Vorfußdämpfungen in vielen Sportschuhen kritisch zu betrachten. Auch kann der Fuß seiner Aufgabe als Stoßdämpfer nicht mehr gerecht werden. Es wird beim Abrollen weniger gespeicherte Energie in die Fortbewegung umgesetzt. Das bedeutet, dass man mit einem extrem gedämpften Schuh zwar vielleicht bequemer läuft, dafür aber langsamer ist. Auf die Fersendämpfung kann dies jedoch so nicht übertragen werden. Es ist also zur Vermeidung von Verletzungen ungemein wichtig, auf gutes Schuhwerk und bei Bedarf adäquate Einlagenversorgung zu achten.



Neben diesen passiven Maßnahmen steht jedoch eine Kräftigung der Fuß- und Unterschenkelmuskulatur im Vordergrund sowie ein gleichzeitig damit verbundenes Koordinationstraining. Wichtig ist hierbei die Verbesserung der propriorezeptiven Fähigkeiten, d. h. ein Training der Sinnesorgane und Nervensysteme, die uns über Druck und Spannung in den Gelenken und Bändern eine Information über unsere Stellung im Raum geben. Durch sie werden die Muskeln zu einer aktiven Sicherung der Gelenke und einer koordinierten Bewegung veranlasst. Eine isolierte Kräftigung eines Muskels hat keinen Sinn, wenn keine Schulung der koordinativen Fähigkeiten stattfindet.

Hierzu sind 2 einfache Übungen von immenser Wichtigkeit:

1. Der so genannte "kurze Fuß"

Hier wird ohne Schuhe im Stand der Fuß aktiv verkürzt, d. h. das Längsgewölbe wird hochgezogen. Die Großzehe wird Richtung Ferse gezogen. Die Zehen dürfen hierbei nicht krallen. Diese Übung ist am Anfang sehr schwierig durchzuführen, weil wir dafür kein Bewegungsprogramm gespeichert haben.

2. Schaukelbrett

Unter einem Holzbrettchen, etwas länger und breiter als der Fuß, wird eine Leiste (halbrund oder dreieckig) in Längsrichtung geschraubt. Die Leiste sollt nicht höher als 1cm sein. Man stellt sich jetzt mit einem Fuß und ohne Schuhe auf das Brett, die Leiste in Längsrichtung, und versucht, nicht umzukippen. Im Stand kann man in die Knie oder auf die Zehenspitzen steigen und viele andere Übungen mehr machen.

Jede Übung sollte auch mit geschlossenen Augen durchgeführt werden. Hierbei wird praktisch die Kontrolle durch die Augen ausgeschaltet, damit das propriorezeptive Nervensystem maximal gereizt wird.

Dies ist im übrigen eine so genannte Ganzkörperübung, da hierbei nicht nur der Fuß, sondern auch Knie, Hüfte und Wirbelsäule im Sinne einer Bewegungsachsen-stabilisation optimal trainiert werden. Sie ist auch für Patienten mit Achillessehnen-problemen ein absolutes Muss.

Wenn der Fuß nicht funktioniert, müssen andere Gelenke den dort auftretenden Fehler kompensieren. Die Belastung steigt, die Belastbarkeit nimmt jedoch ab. Diese Kombination führt mit absoluter Sicherheit zu Verletzungen und Leistungseinbußen.